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21. Januar 2012
Bundesligatagung in Darmstadt
Autor: Jörg Richter
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Ringen / Bundesligatagung in Darmstadt – 'Brandrede' von DRB-Präsident Manfred Werner
Bundesligatagung der Ringer in Darmstadt
DRB läutet Alarmglocken / Brandrede von DRB-Präsident Manfred Werner
Darmstadt – Eine ‚Brandrede‘ richtete der Präsident des Deutschen Ringer- Bundes, Manfred Werner am
Samstag, bei der Bundesligatagung in Darmstadt an die Vereinsvertreter, nachdem es zum Saisonende
eine ganze Reihe Negativschlagzeilen gab. Gegen den Zweitbundesligisten TSV Benningen und den
abstiegswilligen Erstbundesligisten SV Blauweiß Untergriesbach wurde Anzeige erstattet, beide Vereine
erwarten nun Geldstrafen und Rückstufung in die jeweiligen Landesklassen. Der Rechtsausschuss des
DRB sah es als erwiesen an, dass beide Mannschaften Kämpfe absichtlich verloren haben, um im Fall
Benningen den Aufstieg in die 1. Bundesliga zu verhindern, im Fall Untergriesbach aus derselben
absteigen zu können. Weitere Verdachtsmomente gegen Mannschaften aus den 2. Bundesligen, die den
Aufstieg ebenfalls mit unlauteren Mitteln verhindert haben, werden derzeit vom DRB noch geprüft.
„Was ist eigentlich ein Sportsmann, was ist sportlich ?“, richtete Manfred Werner zum Beginn seiner Rede
die wohl entscheidende Frage an die knapp 100 versammelten Vereinsvertreter im Sportzentrum der SG
Darmstadt-Arheilgen. Skandalergebnisse zum Saisonende, als führende Teams gegen abstiegsgefährdete
Mannschaften schon an der Waage unterlagen, den fälligen Freundschaftskampf dann klar gewannen,
betitelte Werner als kriminelle Machenschaften. Dabei sah der DRB-Präsident nicht die bestehenden
Strukturen als verantwortlich für die Situation an, sondern vielmehr das Finanzgebaren, einiger, weniger
Vereine. Manfred Werner forderte einheitliche Anmeldeverfahren für die Athleten, ein Ende der
Preistreiberei, aber auch das Ende von Anschuldigungen für die Geschehnisse, bei denen nur allzu gern
dem DRB der ‚schwarze Peter‘ zugeschoben wird.
„Seit Jahren appellieren wir an die Vereine, eigene Talente zu finden und zu entwickeln, statt ausländische
Spitzenringer einzukaufen“, ärgerte es den Ringerchef, dass viele Auswahlringer auf der Ersatzbank
schmoren, oder zweitklassig kämpfen. Auch der Berufsstatus der Athleten liegt Manfred Werner und
seinem Vorstand auf der Seele, denn hier begeben sich viele Vereine aus Sicht des DRB auf recht dünnes
Eis, „ ... wenn in der 1. Bundesliga 70 % der Mannschaft, oder mehr, als Amateure angemeldet werden, die
ausschließlich Aufwandsentschädigungen erhalten, so ist dies schlechtweg nicht glaubwürdig“.Dabei
betonte Manfred Werner, dass der Großteil der Bundesligisten seriös arbeitet, doch die wenigen,
schwarzen Schafe ziehen den gesamten Ringkampfsport in die Negativschlagzeilen.
Stefan Heinlein, 2. Vorstand des Erstbundesligisten AC Lichtenfels unterstützte die Brandrede von Manfred
Werner mit einem realen Beispiel; „... wir hatten eine Prüfung bei uns, melden alle Athleten für viel Geld an
und arbeiten damit sauber, andere tun dies nicht wenn sie Amateure melden, keine Abgaben und
Sozialleistungen- aber dafür hohe Punktprämien zahlen“.
Die stärkste Liga der Welt wankt, neben den zurückgestuften Mannschaften TSV Benningen und SV
Untergriesbach, verließen kurz vor- und während der Bundesligatagung in Darmstadt mit dem TSV
Musberg (9. der 1. Bundesliga West), sowie der RWG Mömbris-Königshofen II (Staffelsieger der 2.
Bundesliga Mitte) weitere Vereine die beiden höchsten Kampfklassen. Der KSK Konkordia Neuss (8. der 1.
Bundesliga West) und der AC Lichtenfels (8. der 1. Bundesliga-Ost) kündigten für kommende Woche eine
Entscheidung an, ob sie in der höchsten Kampfklasse verbleiben, oder ihre Teams ebenfalls aus der 1.
Bundesliga zurückziehen.
„Noch können wir die Mannschaftsrückzüge mit Nachrückern kompensieren, wenn noch mehr
Mannschaften dazukommen, die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr wollen, oder können, dann
müssen wir die Bundesliga-Strukturen überdenken“, so Karl Rothmer, DRB-Vizepräsident für
Bundesligaangelegenheiten, der vor allem die 2. Bundesliga straffen- und auf zwei Staffeln begrenzen will,
um wieder Konkurrenzdenken in die zweithöchste Kampfklasse zu bekommen.
Demzufolge unterbreitete der DRB-Vorstand den Vorschlag, ab der Saison 2012/2013 nur noch zwei
Zweitligastaffeln an den Start zu bringen (bislang drei). „In der 1. Bundesliga soll mit der Streichung des
Viertelfinal's der Druck vieler Teams, unbedingt die Play-offs zu erreichen, gemindert werden“, so Karl
Rothmer weiter. Beschlüsse dazu gab es während der Bundesligatagung allerdings noch nicht. Nach
langem ‚Für und Wider‘ gab Karl Rothmer alle gestellten Anträge an die Bundesligakommission zur
weiteren Bearbeitung. Dabei intervenierte DRB-Präsident Manfred Werner; „...wir haben von 10 bis 16 Uhr
getagt und keine Entscheidungen getroffen, doch Beschlüsse zu Struktur und Status der Athleten müssen
schnell auf den Tisch", Bereits im Februar will der DRB-Präsident bei einer weiteren Bundesligatagung
Änderungen und Reformen durchsetzen, um weiteren Schaden von der stärksten Ringerliga der Welt
abzuwenden.
Jörg Richter